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Lungenwürmer bei Pferden: Erkennen, behandeln und zuverlässig vorbeugen

Lukas Fuchs vor 2 Wochen Pferdegesundheit 3 Min. Lesezeit

Lungenwürmer bei Pferden sind zwar seltener als Magen-Darm-Würmer, können aber durchaus ernsthafte Atemwegsprobleme verursachen — besonders wenn Pferde mit Eseln zusammenbeweidet werden. Dieser Artikel erklärt Ursachen, Symptome, Diagnose, Therapie und praxistaugliche Präventionsmaßnahmen.

Was sind Lungenwürmer und wie gelangen sie ins Pferd?

Mit „Lungenwürmer“ ist beim Pferd meist der Parasit Dictyocaulus arnfieldi gemeint. Dieser Ästige von Lungenwurm lebt in den Atemwegen von Equiden. Esel gelten als wichtiges Reservoir: Sie tragen oft den Erreger ohne Symptome und scheiden infektiöse Larven aus. Pferde sind gegenüber D. arnfieldi empfindlicher und entwickeln eher klinische Beschwerden.

Lebenszyklus in Kürze

  • Infektiöse L3-Larven werden mit dem Kot von infizierten Tieren auf die Weide gebracht.
  • Pferde nehmen die Larven beim Weidegang mit der Grasaufnahme auf.
  • Die Larven wandern in den Körper und gelangen über Blut- oder Lymphwege in die Lunge, wo sie zu adulten Würmern heranreifen.
  • In den Atemwegen legen die adulten Würmer Larven, die dann mit dem Kot ausgeschieden werden und den Zyklus schließen.

Wichtig: Während Esel häufig symptomlos bleiben, reagieren Pferde deutlich empfindlicher — insbesondere Jungpferde oder Tiere mit zusätzlichem Stress.

Typische Symptome bei Pferden

Lungenwürmer bei Pferden äußern sich vor allem über Atemwegssymptome. Häufige Anzeichen:

  • trockener oder feuchter Husten, oft bei Belastung
  • Nasenfluss (klar oder schleimig)
  • Leistungsknick, schnelle Erschöpfung bei Arbeit
  • vermehrte Atemfrequenz, Atemnot bei schwerem Befall
  • selten Fieber oder allgemeines Krankheitsgefühl

Die Symptome können unspezifisch sein und mit anderen Atemwegserkrankungen (z. B. Infektionen, Allergien) verwechselt werden. Deshalb ist gezielte Diagnostik wichtig.

Diagnose: Wie stellt der Tierarzt Lungenwürmer fest?

Zur Abklärung eines Verdachts auf Lungenwürmer bei Pferden werden mehrere Methoden kombiniert:

  • klinische Untersuchung (Auskultation der Lunge, Befragung zur Weidehaltung)
  • Kotuntersuchung mit Baermann-Trichterverfahren zur Larven-Nachweis
  • Tracheal- oder bronchoalveoläre Lavage (in einigen Fällen) für direkten Nachweis
  • gezielte Laboruntersuchungen (PCR) können Larven-DNA nachweisen

Hinweis: Larven werden nicht immer zuverlässig im Kot gefunden, vor allem bei niedrigem Befall oder wenn nur adulte Würmer in der Lunge vorhanden sind. Deshalb kann bei hoher klinischer Wahrscheinlichkeit trotzdem eine Behandlung sinnvoll sein.

Behandlung: Was hilft gegen Lungenwürmer?

Für die Behandlung von Lungenwürmern bei Pferden haben sich Makrozyklische Lactone als sehr wirksam erwiesen. Zu den häufig eingesetzten Wirkstoffen gehören:

  • Ivermectin
  • Moxidectin

In vielen Fällen führt eine einmalige Behandlung mit einem dieser Mittel zu einem raschen Rückgang der Symptome. Bei stärkerem Befall oder wenn Sekundärinfektionen vorliegen, kann eine ergänzende unterstützende Therapie (z. B. Antibiotika bei bakterieller Superinfektion, entzündungshemmende Maßnahmen, Inhalationstherapie) notwendig sein. Die genaue Dosierung und das Medikament wählt der Tierarzt unter Berücksichtigung von Gewicht, Gesundheitszustand und lokalen Resistenzverhältnissen.

Vorbeugung und Weidemanagement

Da Esel als Hauptreservoir gelten, sind präventive Maßnahmen besonders wichtig:

  • Vermeide gemeinsame Beweidung oder aufeinanderfolgende Beweidung von Pferden und Eseln auf derselben Fläche.
  • Trenne bei Verdacht Esel und Pferde und kontrolliere Esel auf Wurmbefall; Esel sollten regelmäßig entwanzt werden.
  • Weidehygiene: regelmäßiges Einsammeln von Kot (sofern möglich), Weiderotation und ausreichend lange Ruhezeiten zwischen Beweidungen.
  • Zielgerichtete Kotuntersuchungen (Baermann-Test), insbesondere bei Coughing-Outbreaks oder bei gemischten Beständen.
  • Routineentwurmung nicht blind durchführen — lieber auf Basis von Befund und Risiko planen (Targeted Deworming).

Weiterführende Empfehlungen und Hintergrundinformationen bieten Fachstellen wie die ESCCAP (esccap.de) oder spezialisierte Labore und Tierarztpraxen (praxis-gerdemann.de).

Wann sollten Sie den Tierarzt rufen?

Kontaktieren Sie den Tierarzt, wenn eines oder mehrere der folgenden Punkte zutreffen:

  • anhaltender Husten oder Leistungseinbußen ohne klare Ursache
  • mehrere Pferde in einem Bestand zeigen gleichzeitig Atemsymptome
  • gemeinsame Beweidung mit Eseln oder kürzliche Umstallung/Mischhaltung
  • Sichtbarer Nasenausfluss oder deutliche Atemnot

Häufige Fragen (FAQ)

Stecken Pferde andere Tiere oder Menschen an?

Lungenwürmer wie Dictyocaulus arnfieldi sind spezifisch für Equiden. Eine Übertragung auf den Menschen ist nicht bekannt.

Wie schnell wirkt die Behandlung?

Viele Pferde zeigen innerhalb weniger Tage eine Verbesserung von Husten und Leistungsfähigkeit. Vollständige Erholung der Lunge kann aber länger dauern, je nach Schweregrad und Sekundärschäden.

Sollte ich prophylaktisch entwurmen?

Pauschalentwurmungen sind nicht uneingeschränkt zu empfehlen. Besser sind gezielte Kotuntersuchungen und ein bestandsangepasstes Entwurmungskonzept, besonders wenn Esel in der Nähe sind.

Fazit

Lungenwürmer bei Pferden sind zwar nicht die häufigste Wurmkrankheit, können aber zu belastenden Atemwegssymptomen und Leistungseinbußen führen — vor allem in Beständen mit Eseln. Eine vorsichtige Diagnostik, wirksame medikamentöse Behandlung mit Makrozyklischen Lactonen und sinnvolles Weidemanagement reduzieren Risiko und Folgeschäden. Sprechen Sie frühzeitig mit Ihrem Tierarzt, wenn Atemsymptome auftreten oder wenn Pferde und Esel gemeinsam gehalten werden.

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