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Melasse für Pferde: Energie, Risiken und richtige Anwendung

Lukas Fuchs vor 3 Monaten 3 Min. Lesezeit

Melasse ist in der Pferdefütterung weit verbreitet – als Geschmacksträger, Staubbinder oder Billig-Energiequelle. Doch wann ist Melasse sinnvoll, und wann eher riskant? Dieser Leitfaden erklärt Formen, Nährwerte, Vorteile, Gefahren und praxisnahe Fütterungsempfehlungen für melasse pferde.

Was ist Melasse?
Melasse (deutsch: Melasse oder Melasseprodukt) ist ein Nebenprodukt der Zuckerherstellung aus Zuckerrüben oder Zuckerrohr. Sie ist dickflüssig bis sirupartig, dunkelbraun und enthält konzentrierte Zucker, Mineralstoffe sowie Spuren von Vitaminen und Spurenelementen (z. B. Chrom). In der Pferdefütterung findet Melasse Verwendung als Direktfuttermittel, als Zusatzstoff zur Pelletierung oder als Bindemittel in Müslis und Pellets.

Wichtigste Nährstoffe und Eigenschaften

  • Zuckeranteil: Je nach Produkt liegt der Zuckergehalt typischerweise zwischen ~30–60 % (vor allem Saccharose, Glukose und Fruktose). Die tatsächlichen Werte variieren nach Herstellungsart und Produkt.
  • Mineralstoffe: Melasse enthält Asche, Calcium, Magnesium, Kalium und Spuren von Spurenelementen; Schwarze Melasse (Blackstrap) ist mineralstoffreicher.
  • Chrom: In der Pferdefütterung wird gelegentlich der Chromgehalt (z. B. ~2,6 mg/kg in einigen Melassen) hervorgehoben, da Chrom in der Glukosestoffwechsel-Regulation eine Rolle spielt.
  • Eigenschaften: sehr schmackhaft, bindend (Staubbinder), feuchthaltend; wird gern zur Pelletierung oder zur Aufwertung von Rationen genutzt.

Vorteile von Melasse in der Pferdefütterung

  • Erhöhte Akzeptanz: Viele Pferde fressen Rationen mit Melasse eher, was die Futteraufnahme bei mäkeligen Tieren verbessern kann.
  • Energiequelle: Schnell verfügbare Energie durch Zucker, sinnvoll bei Bedarf an leicht verfügbarer Energie (z. B. bei Arbeitspferden mit hohem Energiebedarf).
  • Verbesserte Futterqualität: Als Staubbinder reduziert Melasse Staub in Trockenschnitzeln oder Pellets und verbessert die Pelletstabilität.
  • Praktische Verwendbarkeit: Leicht zu verarbeiten (z. B. für Melasseschnitzel) und günstig in der Herstellung.

Risiken und Gegenanzeigen

Melasse ist nicht für alle Pferde geeignet. Wichtige Risiken:

  • Hufrehe / Laminitis: Pferde mit Hufrehe-Vorgeschichte oder erhöhtem Risiko (z. B. Stoffwechselerkrankungen) sollten keine oder nur sehr eingeschränkte Mengen Melasse bekommen. Viele Quellen raten bei hufrehegefährdeten Pferden komplett auf melassehaltige Futtermittel zu verzichten.
  • Insulinresistenz / EMS / Cushing (PPID): Bei insulin- oder stoffwechselgestörten Pferden ist zuckerreiche Melasse kontraindiziert.
  • Übergewicht/Adipositas: Zusätzliche Zucker liefern energiehaltige Kalorien und können Gewichtszunahme fördern.
  • Dünndarmfermentation & Magen: Große Mengen leicht verwertbarer Zucker können die normale Verdauung stören; in Einzelfällen ist Aufstoßen/leichte Kolik-Beschwerden beschrieben.

Formen von Melasse und typische Einsatzzwecke

  • Flüssigmelasse: Direkt wie Sirup, zur Beimischung oder zum Anfeuchten von Rationen.
  • Melasseschnitzel (getrocknet): Trockengemisch aus Trockenfaser + Melasse – praktisch als energie- und ballaststoffreiches Futtermittel (oft zu Pellets gepresst).
  • Pellets/Müslis mit Melasse: Melasse dient hier als Bindemittel und Geschmacksverstärker.

Praktische Fütterungsempfehlungen

Konkrete Dosierung hängt vom Produkt (Zuckergehalt), dem Pferdetyp und dem Gesundheitsstatus ab. Als Orientierung:

  • Gesunde Freizeit- und Sportpferde: Viele Hersteller und Fachtipps empfehlen moderate Mengen — z. B. bis zu ca. 100–250 g Melasse pro 500 kg Pferd/Tag (Produktabhängig). Ein Beispiel: Siepmann nennt für Melasseschnitzel ähnlich orientierende Werte.
  • Hufrehe-gefährdete oder stoffwechselkranke Pferde: Keine Melasse bzw. nur nach strenger Risikoabwägung durch Tierarzt/Fütterungsberater.
  • Rechenbeispiel zur Zuckerzufuhr: Bei 50 % Zuckergehalt liefern 100 g Melasse ca. 50 g Zucker. Addieren Sie diese Menge zu anderen kohlenhydratreichen Komponenten der Ration, um die Gesamt-NSC-/Zuckerzufuhr einzuschätzen.

Zubereitung von Melasseschnitzeln und Lagerung

Melasseschnitzel werden oft eingesetzt, um Rationen zu strecken oder als Ergänzungsfutter. Beachten Sie:

  • Vor der Fütterung von getrockneten Melasseschnitzeln empfiehlt es sich, diese anzufeuchten, damit sie weicher und leichter aufnehmbar sind.
  • Lagerung trocken und kühl; bei Flüssigmelasse auf hygienische Abfüllung achten — fermentierte oder verschimmelte Melasse entsorgen.
  • Beim Anrühren: Gleichmäßig mischen, damit keine hochkonzentrierten Zuckerlösungen entstehen, die einzelne Tiere schlingen könnten.

Qualität prüfen – was auf dem Etikett wichtig ist

  • Angabe zum Zuckeranteil bzw. Trockensubstanz
  • Hinweis auf Herkunft (Zuckerrübe vs. Zuckerrohr) und ob es sich um Blackstrap-Melasse handelt
  • Spurenelemente oder Zusatzstoffe (z. B. Chromangaben)
  • Hygienische Parameter: Mindesthaltbarkeitsdatum, Geruch (keine starke Gärung), keine Fremdstoffe

Praktische Zusammenfassung (Quick-Check)

  1. Ist das Pferd stoffwechselgesund und arbeitet regelmäßig? Dann kann Melasse in moderater Menge sinnvoll sein.
  2. Hat das Pferd Hufrehe, EMS, PPID oder Übergewicht? Melasse meiden.
  3. Produktetikett lesen: Zuckergehalt beachten und Gesamtzucker der Tagesration berechnen.
  4. Bei Unsicherheit Tierarzt oder Fütterungsberater fragen — besonders vor Umstellung von Rationen.

Weiterführende Links & Quellen

Vertiefende Informationen finden Sie z. B. bei Fachartikeln und Herstellern: Dr. Susanne Weyrauch zur Melasse (Quelle), Herstellerinformationen zu Melasseschnitzeln (Siepmann) sowie Übersichten zur Wirkung und Risiken (z. B. Deutsche Melasse).

Fazit

Melasse kann für gesunde Pferde ein nützliches, schmackhaftes Zusatzfuttermittel sein: sie liefert schnell verfügbare Energie, verbessert Pelletstruktur und Akzeptanz. Für stoffwechselgefährdete oder hufreheanfällige Pferde ist Melasse jedoch meist ungeeignet. Entscheidend ist die Produktwahl, die Dosierung und die Berücksichtigung der gesamten Ration. Bei Zweifeln immer fachlichen Rat einholen.

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