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Entwurmung tragender Stuten: Wann behandeln, welche Mittel und praxisnahe Tipps

Lukas Fuchs vor 3 Monaten Haustiere & Tierhaltung 3 Min. Lesezeit

Kontrollierte Entwurmung ist ein wichtiger Teil des Managements von Zuchtstuten — besonders rund um die Geburt. Dieser Artikel erklärt sichere Zeitpunkte, geeignete Wirkstoffe und praktische Strategien, damit Stute und Fohlen gesund bleiben.

Wichtigste Punkte vorab: Eine pauschale und häufige Behandlung während der Frühträchtigkeit ist nicht empfehlenswert. Stattdessen lohnt sich eine auf Befund und Risiko abgestimmte Entwurmungsstrategie mit klaren Zeitpunkten kurz vor dem Abfohlen und nach Absprache mit dem Tierarzt.

Warum Entwurmung bei tragenden Stuten wichtig ist

Parasiten können die Gesundheit der Stute schwächen und die Umweltbelastung auf der Weide erhöhen — das Risiko einer starken Infektion beim neugeborenen Fohlen steigt dadurch. Manche Parasiten (z. B. Strongyliden, Ascariden und Strongyloides westeri) haben direkten Einfluss auf Fohlen: sie können über die Milch oder die Weide übertragen werden oder durch kontaminierte Umgebung die ersten Wochen des Fohlens belasten. Entwurmung tragender Stuten dient also primär dem Schutz des Fohlens und der Reduktion der Umgebungsinfestation.

Empfohlene Zeitpunkte für die Entwurmung

  • Frühträchtigkeit (1. Trimester): In der Phase der Organogenese sollte die Entwurmung nach Möglichkeit vermieden werden. Nur bei nachgewiesen hoher Parasitenlast und nach Tierarztkonsultation behandeln.
  • Mitte der Trächtigkeit: Kotuntersuchungen (Fäkal- oder EPG-Bestimmung) sind sinnvoll, um Bedarf zu prüfen. Bei hohen Wurmlasten kann eine Behandlung angezeigt sein.
  • 4–6 Wochen vor dem errechneten Geburtstermin: Häufig empfohlener Standardzeitpunkt für eine präventive Entwurmung. Durch die Reduktion der Parasitenlast kurz vor dem Abfohlen sinkt die Kontamination der Geburtsumgebung.
  • Bei Geburt oder kurz danach: Manche Empfehlungen sehen eine Gabe direkt nach dem Abfohlen vor, um die Übertragung bestimmter Parasitenarten (z. B. Strongyloides westeri) zu reduzieren. Die genaue Empfehlung variiert — Absprache mit dem Tierarzt ist wichtig.

Welche Wirkstoffe sind geeignet?

In der Praxis werden vor allem folgende Wirkstoffgruppen eingesetzt:

  • Makrozyklische Laktone (Ivermectin, Moxidectin): Wirksam gegen viele Rundwürmer, Strongyliden und oft gegen Larvenstadien. Häufig empfohlen 4–6 Wochen vor dem Abfohlen. Produktinformationen beachten — Moxidectin hat längere Wirkdauer.
  • Benzimidazole (z. B. Fenbendazol): Günstig bei bestimmten Rundwurmspektren; Wirkungsspektrum und Resistenzlage beachten.
  • Praziquantel: Bei Bandwurmbefall in Kombination mit anderen Anthelminthika.

Wichtig: Produktetikett, Zulassung und aktuelle Resistenzlage beachten. Nicht jedes Präparat ist für trächtige Stuten einheitlich zugelassen; Rücksprache mit dem Tierarzt ist Pflicht.

Zielgerichtete Entwurmung statt Routinemuster

Moderne Strategien setzen auf gezielte Maßnahmen statt starrer Wiederholungsintervalle:

  • Fäkale Eierzählung (FEC): Vor allem in der Mitte der Trächtigkeit sinnvoll, um zu entscheiden, ob eine Behandlung notwendig ist.
  • Haltungs- und Weidehygiene: Ruhenlassen von Weideflächen, regelmäßiges Entfernen von Mist, Rotationsbeweidung reduzieren Parasitenaufwuchs.
  • Fohlenbetreuung: Frühzeitige Kotuntersuchungen und ein Entwurmungsplan für das Fohlen verhindern frühe hohe Belastungen.

Sicherheit für Stute und Fohlen

Viele Anthelminthika gelten als sicher in der Trächtigkeit, wenn sie zum empfohlenen Zeitpunkt angewandt werden. Dennoch gilt:

  • Vermeide routinemäßige Behandlungen im ersten Drittel der Trächtigkeit.
  • Halte Dich an die empfohlenen Dosierungen und Applikationsformen (oral, Paste, Injektionspräparate).
  • Kontaktiere den Tierarzt bei Krankheitszeichen, Schwäche oder ungewöhnlichen Befunden.

Praxisbeispiel eines möglichen Entwurmungsplans

Zur Orientierung (nicht als Ersatz für tierärztliche Beratung):

  • Frühtracht: Kotprobe — nur behandeln bei hohem Befund.
  • Spättracht (4–6 Wochen vor dem Termin): Entwurmung mit einem geeigneten Präparat (z. B. Ivermectin oder Moxidectin) nach Absprache.
  • Beim Abfohlen: Hygiene, saubere Box; ggf. zweite Behandlung je nach Risiko und Tierarzt-Empfehlung.
  • Fohlen: Erste Kotprobe nach 4–6 Wochen; entsprechender Entwurmungsplan für das Fohlen erstellen.

Häufige Fragen kurz beantwortet

  • Muss jede tragende Stute entwurmt werden? Nicht unbedingt. Zielorientierte Tests (FEC) entscheiden, ob eine Behandlung nötig ist. Bei Zuchtstuten ist das Risiko für das Fohlen jedoch höher — viele Züchter wählen eine Entwurmung kurz vor dem Abfohlen.
  • Ist Ivermectin sicher? Ivermectin wird häufig empfohlen 4–6 Wochen vor der Geburt, gilt in diesem Zeitraum als sicher, aber die Produktinfo und der Tierarzt sind maßgeblich.
  • Reduziert Entwurmung die Übertragung von S. westeri? Ja: Entwurmung der Mutter um den Geburtszeitpunkt kann die Übertragung über die Milch reduzieren.

Weiterführende Quellen und Tipp

Vertiefende Informationen und Leitfäden finden Sie z. B. bei MSD Tiergesundheit, regionalen Pferdekliniken und landwirtschaftlichen Beratungsstellen. Nützliche Links:

Fazit

Entwurmung tragender Stuten ist sinnvoll, um das Risiko für das Fohlen zu minimieren und die Weidehygiene zu verbessern. Entscheidend sind der richtige Zeitpunkt (meist 4–6 Wochen vor dem Abfohlen), die Wahl eines geeigneten Wirkstoffs und die Abstimmung mit dem Tierarzt. Zielgerichtete FEC-gestützte Maßnahmen reduzieren unnötige Behandlungen und helfen, Resistenzentwicklung zu vermeiden.

Bei Unsicherheit: Besprechen Sie Ihren individuellen Entwurmungsplan mit dem Stall-Tierarzt — für Stute, Fohlen und erfolgreiche Zucht.

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