PSSM2 Px Fütterung: Praxisleitfaden für weniger Muskuläre Probleme und mehr Wohlbefinden
PSSM2 (auch MIM genannt) ist ein komplexes Störbild — und die Variante Px reagiert besonders empfindlich auf Mineralstoff- und Kalzium‑Dosen. Dieser Artikel erklärt, wie eine zielgerichtete Fütterung Symptome mindern kann, welche Futtermittel zu vermeiden sind und wie ein praktischer Futterplan für Px‑Pferde aussehen kann.
Was bedeutet PSSM2 und speziell die Variante Px?
PSSM2 (häufig auch MIM genannt) beschreibt eine Gruppe muskelerkrankter Pferde ohne die bekannte GYS1‑Mutation von PSSM1. Innerhalb von PSSM2 gibt es verschiedene Varianten (z. B. P8, Px). Die Variante Px fällt durch eine besondere Empfindlichkeit gegenüber einer Kalzium‑Überschuss‑Situation auf — viele Besitzer berichten von Besserung, wenn zusätzliche Kalziumgaben reduziert oder vermieden werden.
Grundprinzipien der Ernährung bei PSSM2 / Px
- Niedriger Zucker‑ und Stärkegehalt: Ziel ist ein Gesamtgehalt an Zucker + Stärke (NSC) von unter ~12 % in der Gesamtration. Das reduziert glykämische Schwankungen und entlastet die Muskulatur.
- Öl/fett als Energiequelle: Bei Bedarf Kohlenhydrate durch Fett (Rapsöl, Leinöl) ersetzen — langsam anfüttern und über 2–4 Wochen steigern.
- Hochwertiges Eiweiß: Ausreichende Versorgung mit essentiellen Aminosäuren verbessert Regeneration und Muskelaufbau.
- Mineralstoffbalance beachten — besonders Kalzium: Bei Px: kein zusätzliches Kalzium ohne Rücksprache; auf Luzerne/Alfalfa und andere kalziumreiche Futtermittel verzichten.
- Heubasierte Fütterung zuerst: Forage von guter Qualität bildet die Basis; Heuanalyse hilft NSC und Mineralienwert zu bestimmen.
Welche Futtermittel sind für Px‑Pferde kritisch?
Einige Bestandteile können bei Px‑Pferden Probleme verschlechtern:
- Luzerne/Alfalfa: Häufig sehr kalziumreich und kann bei Px ungünstig sein.
- Rübenschnitzel / hohe Kalziumprodukte: Vorsicht, da ebenfalls hohen Ca‑Gehalt haben können.
- Stärke‑ und zuckerreiche Kraftfutter: Getreide und Mixe mit hohem NSC vermeiden oder durch Low‑NSC‑Mischungen ersetzen.
- Unkontrolliertes Mineralpulver: Standardminerale mit Zusatzkalzium nur nach Analyse und Bedarf einsetzen.
Empfohlene Futterbausteine für die Px‑Variante
- Gutes Heu (Heubasis): Bei PSSM2 allgemein: Heu mit niedrigem NSC. Durch Heuanalyse gezielt wählen und evtl. Wässern/soaken, um WSC zu reduzieren (z. B. 1–8 Stunden, temperaturabhängig).
- Low‑NSC Balancer: Mineralstoff‑ und Aminosäurenversorgung sicherstellen ohne zusätzliches Kalzium. Achte auf Herstellerangaben zum Ca‑Gehalt.
- Fettquellen: Rapsöl, Leinöl oder spezielle Pferdeöle zur Energieversorgung; langsam einschleichen (z. B. 20–50 ml Start, schrittweise auf 100–200 ml/Tag je nach Pferdegröße).
- Hochwertiges Eiweiß: Luzerne liefert zwar Protein, ist aber oft zu kalziumreich — daher bevorzugen: Sojafreie, eiweißreiche Zusatzfutter oder gezielte Aminosäuren‑Supplemente (z. B. Methionin, Lysin) nach Bedarf.
- Salz und Wasser: Freier Zugang zu frischem Wasser und geregelte Salzgabe (NaCl) sind wichtig für den Stoffwechsel.
Konkreter Fütterungsfahrplan (Praxisbeispiel)
Dieses Beispiel ist allgemein und ersetzt keine individuelle Beratung durch Tierarzt oder Pferdefutterberater:
- Morgens: 6–8 kg gutes, analysiertes Heu (niedriger NSC) + 20–50 ml Öl (erste Woche)
- Mittags: kleiner Heustück oder Weidegang, Salzleckstein verfügbar
- Abends: 6–8 kg Heu + Low‑NSC Balancer (Dosierung Hersteller) + Öl schrittweise auf 100–200 ml/Tag
- Bei Bedarf: hochwertiges Eiweiß‑Supplement oder Aminosäureergänzung nach Absprache
Heuanalyse, Blutwerte und Absprache mit dem Tierarzt
Heuanalysen (NSC, Rohprotein, Ca, P, Mg) sind Gold wert — sie zeigen, ob das Heu für Px geeignet ist. Vor Supplementierung mit Mineralstoffen oder Spurenelementen sollten Blutwerte (z. B. Calcium, Phosphor, Vitamin E, Selen) mit dem Tierarzt besprochen werden. Bei Px empfiehlt sich besonders, zusätzliche Kalziumgaben zu vermeiden oder nur gezielt nach Messung einzusetzen.
Übliche Supplemente — ja oder nein?
Viele PSSM2‑Pferde profitieren von Antioxidantien (z. B. Vitamin E) und einer geeigneten Selen‑Versorgung, allerdings nur in individuell angepassten Dosen. Ergänzungen mit Kalzium sind bei Px meist kontraindiziert. Bevor Sie ein Supplement dauerhaft geben, lassen Sie Diagnose und Bedarf klären.
Bewegung und Management ergänzen die Ernährung
Neben der Fütterung unterstützt regelmäßige, moderate Bewegung das Muskelstoffwechselmanagement. Häufige, kurze Einheiten und viel Freilauf/Bewegung sind vorteilhaft. Stressreduktion, konsequente Tagesstruktur und ausreichender Schlaf tragen ebenfalls zur Stabilität bei.
Weiterführende Quellen und Praxishilfe
Vertiefende Informationen finden Sie z. B. bei spezialisierten Seiten und Fachleuten: PSSM2‑Pferd.de, Dr. Maroske oder sachliche Hintergrundinfos von Herstellern wie St. Hippolyt. Diese Seiten bieten Praxisregeln, Beispielrationen und Hinweise zu speziellen Varianten.
Fazit — Kernaussagen zur PSSM2 Px Fütterung
- Setzen Sie auf eine forage‑betonte, stärke‑ und zuckerarme Ration (NSC <12 %).
- Vermeiden Sie zusätzliche Kalziumgaben und kalziumreiche Futtermittel wie Luzerne/Alfalfa bei Px, sofern nicht tierärztlich anders empfohlen.
- Ersetzen Sie bei Bedarf Kohlenhydrate durch langsam eingeführtes Öl und sorgen Sie für ausreichende, hochwertige Protein‑ und Aminosäurenversorgung.
- Lassen Sie Heu analysieren und stimmen Sie Supplemente sowie Dosierungen mit Tierarzt oder Fütterungsberater ab.
Wenn Sie möchten, erstelle ich Ihnen einen individuellen Futterplan auf Basis von Heuanalyse, Pferdegewicht und Aktivitätslevel — schicken Sie mir diese Daten, und ich arbeite eine konkrete Empfehlung aus.
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