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Selektive Entwurmung beim Pferd: Moderner Schutz vor Wurmbefall und Resistenzen

Lukas Fuchs vor 2 Monaten 3 Min. Lesezeit

Die selektive Entwurmung beim Pferd ist heute die empfohlene Strategie, um Parasiten gezielt zu bekämpfen, Wirkstoffresistenzen zu minimieren und Kosten zu senken. Dieser Praxisleitfaden erklärt, wie das Verfahren funktioniert, wann und wie oft Kotproben nötig sind, welche Schwellenwerte gelten und welche Fehler Sie vermeiden sollten.

Was ist selektive Entwurmung beim Pferd?

Die selektive Entwurmung beim Pferd (auch Zeitgemäße Selektive Entwurmung, ZSE genannt) ist ein monitoring-basierter Ansatz: Nicht jede Behandlung erfolgt routinemäßig für alle Tiere, sondern nur bei diagnostisch nachgewiesenem Wurmbefall. Ziel ist es, nur jene Pferde zu behandeln, die tatsächlich eine relevante Eierzahl im Kot aufweisen, um die Parasitenlast zu reduzieren und die Entstehung von Resistenzen zu verlangsamen.

Warum ist selektive Entwurmung sinnvoll?

  • Vermeidung von Resistenzen: Häufiges und unnötiges Entwurmen fördert Resistenzen, vor allem bei kleinen Strongyliden. Selektives Entwurmen reduziert diesen Selektionsdruck.
  • Zielgerichtete Behandlung: Nur Pferde mit nachgewiesener Eiausscheidung werden therapiebedürftig.
  • Kosteneffizienz: Weniger Medikamente und gezielte Laboruntersuchungen sparen langfristig Geld.
  • Gesundheitsschutz: Hohes Parasitenaufkommen wird erkannt und behandelt, Reservepopulationen bleiben erhalten.

Für welche Pferde eignet sich die Methode?

Die selektive Entwurmung ist primär für adulte (ausgewachsene) Pferde empfohlen. Fohlen, Jungpferde, hochgestellte Zuchttiere oder Tiere mit klinischen Symptomen (Gewichtsverlust, Durchfall, Leistungsabfall) benötigen häufig andere Strategien und engmaschigere Betreuung.

Wie funktioniert das Monitoring in der Praxis?

  1. Kotproben sammeln: Regelmäßig Kotproben von allen erwachsenen Pferden (häufig 2–4x pro Jahr) entnehmen. Wichtig: frische, reinerte Proben, getrennt beschriften.
  2. Laboruntersuchung (z. B. McMaster): Quantitative Verfahren wie das McMaster-Verfahren bestimmen Eier pro Gramm (EPG). Alternativ werden sedimentationsbasierte Tests für Leberegel genutzt.
  3. Schwellenwert festlegen: Gängiger Schwellenwert zur Behandlung liegt oft bei 200 EPG für Strongyliden; manche Konzepte arbeiten mit 100–200 EPG. Beachten Sie etablierte Empfehlungen (z. B. ESCCAP).
  4. Gezielte Behandlung: Nur Pferde, die den Schwellenwert überschreiten oder klinische Anzeichen zeigen, werden entwurmt.
  5. Kontrolle und Dokumentation: Befunde, abgegebene Medikamente und Behandlungstermine dokumentieren. Periodische Wiederholungsuntersuchungen und Fecal Egg Count Reduction Tests (FECRT) prüfen die Wirksamkeit.

Wichtige Laborbegriffe und Tests

  • McMaster-Verfahren: Quantitatives Verfahren zur Bestimmung von Eiern pro Gramm Kot (EPG).
  • EPG (Eier pro Gramm): Maß für die Parasitenlast. Entscheidet über Therapiebedarf.
  • FECRT (Fecal Egg Count Reduction Test): Misst die Wirksamkeit eines Wirkstoffs durch Vergleich vor und nach Behandlung.

Welche Wirkstoffe und Resistenzen sind relevant?

Beim Pferd sind die wichtigsten Wirkstoffklassen Benzimidazole, Tetrahydropyrimidine (Pyrantel) und Makrozyklische Lactone (Ivermectin, Moxidectin). In vielen Regionen wurden Resistenzen gegen Benzimidazole und zunehmend auch gegen Pyrantel beobachtet. Daher ist die Kombination aus Monitoring und FECRT wichtig, um die passende Wirkstoffwahl zu treffen.

Praktische Hinweise zur Kotprobeentnahme

  • Proben frisch (möglichst innerhalb weniger Stunden) entnehmen und kühl transportieren.
  • Etwa walnussgroße Mengen in sauberen Behälter füllen, mit Name, Datum und Pferd kennzeichnen.
  • Pro Pferd eine eigene Probe; keine Sammelproben, wenn individuelle Behandlung geplant ist.
  • Lagerung: kurzzeitig kühl (nicht einfrieren) bis zur Einsendung.

Wie oft sollten Tests durchgeführt werden?

Gängige Empfehlung: mindestens 2 Kotproben pro Jahr, besser 3–4, verteilt über Weide- und Stallzeiten. In Betrieben mit hohem Risiko oder bekannten Resistenzproblemen ist ein monatlicheres Monitoring möglich. Nach einer Behandlung ist eine Nachkontrolle (z. B. 14 Tage bei Pyrantel, 14–28 Tage bei anderen Präparaten) sinnvoll, um den Therapieerfolg zu belegen.

Vor- und Nachteile der selektiven Entwurmung

  • Vorteile: Weniger Resistenzen, gezielte Therapie, Kosteneinsparung, bessere Tiergesundheit langfristig.
  • Nachteile/Risiken: Fehlende Untersuchungen können Parasiten übersehen; falsche Schwellenwerte oder unsachgemäße Proben können zu Unterbehandlung führen. Die Methode erfordert Disziplin und Dokumentation.

Wann den Tierarzt hinzuziehen?

Unbedingt Tierarzt oder Parasitenlabor einbeziehen bei: Erstimplementierung des Programms, Verdacht auf Resistenz, klinischen Symptomen, Behandlung von Jungpferden oder Zuchtstuten. Fachleute helfen beim Festlegen von Schwellen, Auswahl von Wirkstoffen und Durchführung von FECRT.

Weiterführende Ressourcen

Vertiefende Informationen finden Sie u. a. bei ESCCAP Deutschland und spezialisierten Laboren:

Fazit

Die selektive Entwurmung beim Pferd ist ein evidenzbasierter, nachhaltiger Ansatz, der den gezielten Einsatz von Anthelminthika fördert und langfristig die Wirksamkeit wichtiger Wirkstoffe erhalten hilft. Entscheidend sind regelmäßiges Monitoring, sorgfältige Probenahme, dokumentierte Behandlung und Zusammenarbeit mit dem Tierarzt. Mit einer gut geplanten Umsetzung schützen Sie Ihre Pferde effizient — und tragen gleichzeitig zur Minimierung von Resistenzen bei.

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