Strongyliden beim Pferd: Erkennen, Behandeln und gezielt vorbeugen
Strongyliden gehören zu den häufigsten und zugleich folgenschwersten Darmparasiten beim Pferd. In diesem Artikel erfahren Sie, wie Sie kleine und große Strongyliden erkennen, sichere Diagnose‑ und Behandlungsstrategien anwenden und durch simples Weidemanagement das Infektionsrisiko reduzieren können.
Was sind Strongyliden und warum sind sie wichtig?
Der Begriff „Strongyliden“ fasst eine Gruppe von Rundwürmern zusammen, die den Dickdarm von Pferden befallen. Man unterscheidet gro eFe Strongyliden (z. B. Strongylus vulgaris) mit durchwandernder Larvenphase und kleine Strongyliden (Cyathostominae) – letztere sind heute die am häufigsten vorkommende und oft problematischere Gruppe. Beide können die Darmfunktion st f6ren, zu Koliken, Gewichtsverlust und bei starker Belastung sogar zu schweren Organsch e4den f fchren.
Lebenszyklus knapp erkl e4rt
- Die Pferde nehmen auf Weidegras infekti f6se Larven (L3) auf.
- Im Darm entwickeln sich die Larven zu erwachsenen W fcrmern, die Eier legen.
- Eier werden mit dem Kot ausgeschieden, aus ihnen entwickeln sich Larven im Freien und reifen zu infekti f6sen L3 heran.
- Bei kleinen Strongyliden dringen Larven teils in die Darmwand ein und k f6nnen als encystierte Stadien fcberwintern; ein massives Reemergieren kann die sogenannte Larvalzyathostominosis ausl f6sen.
Typische Symptome
- Gewichtsverlust, schlechter Zustand
- Leistungseinbruch und Mattigkeit
- Bauchschmerzen bis Koliken
- Durchfall, gelegentlich Blut im Kot
- Bei großen Strongyliden: Thrombosen und Durchblutungsst f6rungen durch Wanderung der Larven (potenziell lebensgef e4hrlich)
Diagnose: Was bringt Gewissheit?
Eine genaue Diagnostik ist die Grundlage f fcr eine sinnvolle Entwurmungsstrategie:
- F e4kaluntersuchung (McMaster/Flotationsmethode): quantifiziert Eier pro Gramm Kot (EpG) und zeigt das Ausmaß der aktuellen Belastung.
- Larvenkultur: wichtig, um zwischen kleinen und gro dfen Strongyliden zu unterscheiden.
- PCR/Serologie: in speziellen F e4llen, z. B. zur Diagnose von Strongylus vulgaris, besonders bei Verdacht auf wandernde Larven.
H e4ufig genutzte Schwellenwerte f fcr eine Behandlung liegen in der Praxis bei etwa 200 EpG (manche Leitlinien/Studien verwenden 250 EpG). Entscheidend ist jedoch die Kombination aus Klinik, Befund und tier e4rztlicher Beurteilung.
Behandlung: Medikamente und strategische Hinweise
Es gibt mehrere Wirkstoffklassen gegen Strongyliden:
- Benzimidazole (z. B. Fenbendazol): früher sehr effektiv, inzwischen verbreitet Resistenzprobleme, vor allem bei kleinen Strongyliden.
- Pyrantel: ebenfalls von Resistenzentwicklung betroffen.
- Makrozyklische Lactone (Ivermectin, Moxidectin): breite Wirksamkeit, insbesondere Moxidectin wirkt auch gegen encystierte Larven (bei zugelassener Indikation), ist aber mit Vorsicht anzuwenden, um Resistenzdruck zu reduzieren.
Wichtig: Massives „Blanket‑Entwurmen“ aller Pferde kann kurzfristig Larven aus den Encystierungen synchronisieren und so eine Larvalzyathostominosis ausl f6sen. Daher sollten Entwurmungsentscheidungen auf FEC, Risikobewertung und tier e4rztlichem Rat basieren. Regelm e4 dfige Wirksamkeitskontrollen (Fecal Egg Count Reduction Test, FECRT) sind empfohlen, um Resistenzen zu erkennen.
Moderne Entwurmungsstrategie: gezielt statt pauschal
- FEC-Monitoring: mindestens 1–2 Mal pro Jahr, bei Neuzug e4ngen oder Verdacht h e4ufiger.
- Selektive Behandlung: nur Tiere fcber dem EpG-Schwellenwert behandeln.
- Quarant e4ne und Testung neuer Pferde vor Eingliederung in die Herde.
- Kontrolle der Wirksamkeit nach Behandlung (FECRT) etwa 10–14 Tage nach Gabe, abhängig vom Wirkstoff.
Weidemanagement & Vorbeugung
Parasitenmanagement umfasst mehr als Medikamente:
- Regelm e4 dfige Mistentfernung (idealerweise mehrmals pro Woche) reduziert infekti f6sen Befall.
- Weidewechsel, Teilung in Parzellen, Ruhezeiten f fcr Weiden verringern Larvenaufbau.
- Begrenzung der Pferdedichte pro Hektar.
- Gemischte Beweidung mit Rindern oder Schafen kann Larvenlast senken (keine Entwicklung auf Fremdwirten).
- Saubere Tr e4nken und Futterstellen; Vermeiden von Kot in Fressbereichen.
Wann zum Tierarzt?
- Bei anhaltendem Gewichtsverlust, wiederkehrenden Koliken oder Blut im Kot sofort tier e4rztliche Abkl e4rung.
- Vor jeder Entwurmungsstrategie sollten Kotproben untersucht und ein Plan zusammen mit dem Tierarzt erstellt werden.
Weiterlesen und Quellen
Vertiefende Informationen bieten beispielsweise die ESCCAP‑Leitlinien zur Pferdeentwurmung sowie Fachartikel zu Epidemiologie und Resistenzlagen. Praxisnahe Hinweise finden Sie bei Tiergesundheitsherstellern und veterin e4ren Praxen:
Fazit: Strongyliden sind allgegenw e4rtig, aber mit einer Kombination aus gezielter Diagnostik, kluger Entwurmung und effektivem Weidemanagement lassen sich Gesundheit und Leistungsf e4higkeit Ihrer Pferde langfristig sichern. Besprechen Sie das individuelle Programm und Verdachtsf e4lle immer mit Ihrem Tierarzt.
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