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PSSM 2 beim Pferd: Erkennen, Diagnostizieren und richtig Managen

Lukas Fuchs vor 4 Monaten 3 Min. Lesezeit

PSSM 2 beim Pferd wirft viele Fragen auf: Wo liegt der Unterschied zu PSSM1? Wie erkennt man die Symptome, und was hilft dem Pferd im Alltag? Dieser Artikel erklärt Ursachen, Diagnose, Fütterung und praktische Management-Tipps für betroffene Pferde.

Was ist PSSM 2?

PSSM steht für Polysaccharid-Speicher-Myopathie. Während PSSM Typ 1 durch eine bekannte Mutation im GYS1-Gen ausgelöst wird, ist PSSM 2 (häufig auch als MIM – myopathische Veränderungen ohne GYS1-Mutation – bezeichnet) ein Sammelbegriff für Pferde mit ähnlichen Muskelveränderungen, deren genetische Ursachen noch nicht vollständig geklärt sind. PSSM 2 ist kein einzelnes Gen-Defekt-Ergebnis, sondern ein heterogenes Krankheitsbild, das Muskelstoffwechsel, Funktion und Verhalten beeinflussen kann.

Typische Symptome

Pferde mit PSSM 2 zeigen oft sehr variable Symptome. Häufige Anzeichen sind:

  • Leistungsabfall, schnelle Ermüdbarkeit
  • Muskelsteifheit oder -schmerzen, insbesondere nach Belastung
  • Muskelatrophie oder -atrophien in bestimmten Regionen
  • Unruhe, Wesensänderungen oder Verhaltensauffälligkeiten (z. B. Schreckhaftigkeit)
  • Schwitzen, Lahmheiten oder Schwierigkeiten beim Aufstehen in schweren Fällen

Die Symptome können episodisch auftreten und von mild bis schwer reichen. Manche Pferde zeigen vor allem Verhaltensänderungen, andere vorrangig körperliche Leistungseinschränkungen.

Ursachen und was der Begriff genau bedeutet

Im Gegensatz zu PSSM1, bei dem ein klarer genetischer Marker (GYS1) vorhanden ist, umfasst PSSM 2 mehrere mögliche pathologische Veränderungen der Muskulatur. Häufig finden sich in der Muskelbiopsie Ansammlungen von abnormalen Glykogenen oder andere strukturelle Veränderungen. Aktuelle Forschung zielt darauf ab, weitere genetische Varianten zu identifizieren, doch bislang bleibt PSSM 2 ein Sammelbegriff für nicht GYS1-bedingte Myopathien.

Diagnose: Welche Tests sind sinnvoll?

  1. Tierärztliche Untersuchung: Anamnese, klinische Untersuchung und Differentialdiagnose (z. B. EMS, Hufprobleme, neurologische Erkrankungen).
  2. Blutbild und Muskelwerte: CK und AST können erhöht sein, sind aber nicht immer aussagekräftig.
  3. Muskelbiopsie: Goldstandard zur Feststellung charakteristischer Veränderungen (PAS-Färbung, Elektronenmikroskopie). Viele Laborbefunde helfen, PSSM 2 von anderen Myopathien zu unterscheiden.
  4. Genetische Tests: Tests auf PSSM1 (GYS1) sollten zunächst erfolgen. Ist dieser negativ, bleibt PSSM 2 oder MIM als Verdacht; laufende Forschung und ergänzende Tests können weitere Genvarianten nachweisen.

Weiterführende Informationen und wissenschaftliche Beschreibungen finden Sie z. B. bei Universitätskliniken und Spezialseiten (siehe Links).

Ernährung und Fütterung

Die Fütterung spielt bei PSSM 2 eine zentrale Rolle. Ziel ist es, den Muskelstoffwechsel zu entlasten, Energieschwankungen zu vermindern und Entzündungen zu reduzieren.

  • Reduzierter Stärke- und Zuckergehalt: Reduziertes Kraftfutter mit wenig verdaulichen Kohlenhydraten verhindert schnelle Blutzuckerspitzen.
  • Erhöhter Fettanteil: Fett als alternative Energiequelle (z. B. Öle, Pellets mit hohem Fett) kann helfen, die Ausdauer zu verbessern.
  • Ausreichend hochwertiges Eiweiß: Proteinbedarf kann erhöht sein; gute Aminosäurenversorgung unterstützt Muskelreparatur.
  • Ausgewogene Mineralstoffe und Antioxidantien: Vitamin E, Selen und Omega-3-Fettsäuren können Muskelgesundheit und Entzündungsreaktionen positiv beeinflussen.
  • Heu als Grundlage: Raufutter in guter Qualität; bei Bedarf Heusorten mit niedrigem NSC (nicht-strukturierte Kohlenhydrate) wählen und ggf. kurz einweichen.

Individuelle Rationsberechnung zusammen mit einer pferdeernährungsberaterin oder dem Tierarzt ist empfehlenswert.

Training und Management

Ein abgestimmtes Bewegungsprogramm ist essentiell:

  • Regelmäßige, leichte bis moderate tägliche Bewegung fördert den Muskelstoffwechsel.
  • Längere Warm-up-Phasen und langsamer Aufbau der Intensität reduzieren Muskelstress.
  • Turnout/Weidegang: So viel wie möglich, da Bewegung an der Hand oft besser wirkt als lange Boxenruhe.
  • Physiotherapie, Massagen und gezielte Muskeldehnungen können Beschwerden lindern.

Prognose

PSSM 2 ist derzeit nicht heilbar, aber viele Pferde leben mit angepasstem Management gut und dauerhaft zufrieden. Der Erfolg hängt von der Schwere, dem individuellen Ansprechen auf Fütterung und Training sowie der konsequenten Umsetzung des Managementplans ab.

Praktische Schritte für Pferdebesitzer

  1. Symptome dokumentieren: Zeitpunkt, Auslöser, Dauer und Schwere der Episoden festhalten.
  2. Tierarzt aufsuchen: Basisuntersuchung, Blutwerte, ggf. Muskelbiopsie veranlassen.
  3. Ernährungs- und Trainingsplan erstellen: Low-Starch-Fütterung, fettreiche Ergänzungen, regelmäßige Bewegung.
  4. Fachwissen nutzen: Austausch mit Spezialkliniken, Fütterungsberatern und Selbsthilfegruppen.

Weiterführende Quellen

Fazit

PSSM 2 beim Pferd ist komplex und individuell verschieden. Eine sichere Diagnose (Muskelbiopsie, Ausschluss von PSSM1) kombiniert mit einer gezielten Fütterungs- und Bewegungsstrategie verbessert Lebensqualität und Leistungsfähigkeit vieler betroffener Pferde deutlich. Arbeiten Sie eng mit Ihrem Tierarzt und Ernährungsexpertinnen zusammen, dokumentieren Sie Veränderungen und passen Sie Management-Maßnahmen konsequent an.

Bei akuten Problemen oder bei Verdacht auf eine Myopathie sollten Sie unverzüglich eine tierärztliche Abklärung veranlassen.

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