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Nerolidol: Das vielseitige Sesquiterpen — Vorkommen, Duft, Wirkung und Anwendung

Lukas Fuchs vor 3 Wochen Chemie der natürlichen Verbindungen 3 Min. Lesezeit

Nerolidol ist ein natürliches Sesquiterpen-Alkohol mit warm-holzigem, leicht blumigem Duft, das in vielen Pflanzenölen vorkommt. Dieser Artikel erklärt Chemie, Vorkommen, Aroma, mögliche Wirkungen, Anwendungsfelder und Sicherheitshinweise — kompakt und suchmaschinenoptimiert.

Was ist Nerolidol?

Nerolidol (Synonyme: peruviol, penetrol; CAS‑Nr. 7212‑44‑4) ist ein acyclisches Sesquiterpen‑Alkohol (Summenformel C15H26O, molare Masse 222,37 g·mol−1). Es kommt natürlich als Gemisch von cis‑ und trans‑Isomeren vor und ist ein wichtiger Bestandsteil zahlreicher ätherischer Öle. Chemisch gehört es zu den Sesquiterpenen, genauer zu den Sesquiterpenalkoholen.

Natürliches Vorkommen

Nerolidol findet sich in einer breiten Palette von Pflanzen und ätherischen Ölen. Häufige Quellen sind unter anderem:

  • Cabreuva‑Öl (ein klassisches Beispiel, in welchem Nerolidol oft Hauptbestandteil ist)
  • Jasmin, Teebaum, Lavendel und einige Zitrus‑ und Gewürzpflanzen
  • Gräser wie Zitronengras und Palmarosa
  • In geringeren Mengen auch in der Cannabispflanze — dort trägt es zum komplexen Terpenprofil bei

Wegen seiner Verbreitung ist Nerolidol sowohl in der Parfüm‑ und Duftstoffindustrie als auch in der Lebensmittel‑ und Kosmetikbranche relevant.

Duftprofil und sensorische Eigenschaften

Nerolidol wird oft als warm, holzig, leicht blumig mit einer dezenten frischen oder zitrusartigen Note beschrieben. Es verleiht Produkten Tiefe und Rundung und wirkt in Kombination mit anderen Terpenen ausgleichend. Wegen seines milden, angenehmen Charakters wird es häufig in Parfümen, Seifen, Lotionen und Raumdüften eingesetzt.

Forschung und mögliche Wirkungen

Die wissenschaftliche Forschung zu Nerolidol umfasst In-vitro‑ und Tierstudien sowie einige pharmakologisch orientierte Untersuchungen. Wichtige beobachtete Eigenschaften sind:

  • Beruhigende Effekte: In Tierversuchen und einigen präklinischen Studien wurde auf sedative bzw. anxiolytische Effekte hingewiesen, was die Verwendung in entspannungsfördernden Aromamischungen erklärt.
  • Antimikrobielle und antifungale Aktivität: Nerolidol zeigte in Laborversuchen Hemmwirkung gegen bestimmte Bakterien, Pilze und Parasiten.
  • Insektenabwehr und Larvizidwirkung: Es wirkt in einigen Studien als Repellent und gegen Larven von Mückenarten.
  • Permeationsfördernde Eigenschaften: Nerolidol kann die Hautdurchlässigkeit anderer Wirkstoffe erhöhen, weshalb es in kosmetischen Formulierungen als Penetrationsverstärker eingesetzt wird.

Wichtig: Viele der zitierten Effekte stammen aus Labor‑ oder Tierstudien. Es gibt bislang keine ausreichenden klinischen Nachweise, um therapeutische Wirkungen beim Menschen generell zu belegen. Aussagen zu gesundheitlichen Nutzen sollten deshalb vorsichtig und evidenzbasiert erfolgen.

Anwendungsbereiche

  • Parfüm und Duftstoffe: Wertvoll als Herz‑ bis Basisnote, die Düfte abrundet.
  • Kosmetik und Hautpflege: Einsatz als Duftstoff und Penetrationsverstärker in Cremes, Lotionen und Seren.
  • Aromatherapie: Bestandteil entspannender Mischungen; wird in Diffusoren oder Massagemischungen verwendet.
  • Lebensmittelaroma: In sehr geringen Mengen reguliert eingesetzt (je nach Rechtslage) zur Geschmacksabrundung.
  • Forschung und Industrie: Einsatz als Referenzstoff in analytischen Methoden (z. B. GC‑MS) und als Rohstoff für Synthesen.

Gewinnung und Analytik

Nerolidol wird industriell sowohl aus natürlichen Rohstoffen (Destillation von ätherischen Ölen) als auch synthetisch hergestellt. Zur qualitativen und quantitativen Bestimmung gängiger Methoden gehören Gaschromatographie gekoppelt mit Massenspektrometrie (GC‑MS) oder Flammenionisationsdetektion (GC‑FID). Typischerweise wird Nerolidol als cis/trans‑Gemisch gefunden; Reinheitsangaben und das Isomerenverhältnis sind für Anwendungen relevant.

Sicherheit und gesetzliche Hinweise

In niedrigen Konzentrationen gilt Nerolidol in Duft‑ und Aromaprodukten allgemein als sicher und wird in vielen Ländern als Bestandteil kosmetischer Produkte verwendet. Dennoch sind folgende Punkte zu beachten:

  • Hautverträglichkeit: Wie bei vielen Duftstoffen können bei empfindlichen Personen Hautreizungen oder Sensibilisierungen auftreten. Verträglichkeitstests (Patch‑Test) sind empfehlenswert.
  • Dosierung: Ätherische Öle und konzentrierte Terpene sollten nicht pur auf die Haut aufgetragen werden. Empfohlene Verdünnungen und gesetzliche Grenzwerte (z. B. IFRA‑Richtlinien für Parfümrohstoffe) beachten.
  • Keine medizinische Beratung: Angaben in diesem Artikel dienen Informationszwecken und ersetzen keinen ärztlichen Rat.

Kauf- und Formulierungstipps

  • Achten Sie beim Einkauf auf Reinheit (z. B. 95–98 % Angaben), Handelsform (natürlich vs. synthetisch) und Lieferantenzertifikate.
  • Für Kosmetikformulierungen prüfen Sie IFRA‑Konformität und Sicherheitsdatenblätter (SDS).
  • Beim Einsatz in Aromamischungen kann Nerolidol anderen Terpenen Balance und Stabilität verleihen — testen Sie kleine Chargen.

Weiterführende Quellen

Grundlegende Informationen finden Sie unter anderem in Enzyklopädien und Produktdatenblättern: Nerolidol — Wikipedia, Hersteller‑ und Labordatenblätter wie Sigma‑Aldrich Produktinformation.

Fazit

Nerolidol ist ein vielseitiges, natürlich vorkommendes Sesquiterpen‑Alkohol mit warm‑holzigen, blumigen Duftnoten. Es ist in zahlreichen ätherischen Ölen präsent und findet breite Anwendung in Parfüm, Kosmetik und Aromatherapie. Wissenschaftliche Untersuchungen deuten auf interessante antimikrobielle, beruhigende und penetrierende Eigenschaften hin, doch sind klinische Belege für gesundheitliche Aussagen noch begrenzt. Bei der Anwendung sind Reinheit, Dosierung und Hautverträglichkeit zu beachten.

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