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THC‑Gehalt bestimmen: Methoden, Genauigkeit und praktische Anleitung

Lukas Fuchs vor 1 Monat Chemie der natürlichen Verbindungen 3 Min. Lesezeit

Wie viel THC steckt wirklich in meiner Pflanze, Blüte oder meinem Produkt? Dieser Artikel erklärt verständlich, welche Messverfahren es gibt, wie zuverlässig sie sind und wie du in der Praxis vorgehst – von Schnelltestkits bis zur Laboranalyse.

Warum es wichtig ist, den THC‑Gehalt zu kennen

Der THC‑Gehalt entscheidet über Wirksamkeit, Wirkungseintritt und Dosierung. Für Züchter, Hersteller und Konsument:innen ist die genaue Kenntnis des Anteils außerdem relevant für Deklaration, Qualitätskontrolle und rechtliche Fragen. Jede Messung sollte deshalb Methodik, Probenvorbereitung und Ergebnisinterpretation berücksichtigen.

Grundlagen: THC vs. THCA — Was wird eigentlich gemessen?

In frischen Cannabisblüten liegt der Hauptbestandteil oft als THCA (tetrahydrocannabinolsäure) vor. Erst durch Erhitzen (Decarboxylierung) wandelt sich THCA in psychoaktives THC um. Daher unterscheiden gute Analysen zwischen THC und THCA.

Wichtige Formel zur Umrechnung von THCA in potentielles THC (auf trockener Basis):

Total THC (%) = THC (%) + 0,877 × THCA (%)

Der Faktor 0,877 berücksichtigt den Masseverlust beim Abspalten von CO2.

Übersicht der Messmethoden

  • HPLC (High‑Performance Liquid Chromatography) – Goldstandard für genaue Trennung und Quantifizierung von THCA, THC, CBD etc. Einsatz in zertifizierten Laboren. Sehr präzise (Low % bis ppm).
  • GC‑MS / GC‑FID (Gaschromatographie) – hoch sensitiv, kann jedoch THCA durch Hitze in THC umwandeln; ohne Derivatisierung misst es oft „gesamt wirkendes THC“.
  • Nahinfrarot‑Spektroskopie (NIRS) – schnelle, zerstörungsfreie Messung direkt an Blüten mit Kalibrationsmodellen. Gut für schnelle Chargenprüfung, etwas weniger genau als HPLC.
  • Handheld‑Analyser / Tabletop‑Geräte – tragbare Geräte, die auf NIR oder anderen Verfahren beruhen; liefern schnelle Schätzwerte für Feld/Store.
  • Test‑Kits für Zuhause (TLC, Immunoassays) – Dünnschichtchromatographie (TLC) Kits oder Farbreaktionen geben semi‑quantitative Ergebnisse; lateral flow Streifen erkennen meist nur Anwesenheit, keine präzise Quantität.
  • GC‑MS/LC‑MS in spezialisierten Laboren – für höchste Genauigkeit, Mehrkomponenten‑Profile und Rückstandsanalysen.

Genauigkeit, Kosten und Anwendungsfälle

  • HPLC/LC‑MS: sehr genau (± einstellige Prozentpunkte oder besser), Kosten pro Probe typischerweise €50–€200 je nach Labor und Umfang.
  • NIRS/Handheld: schnelle Ergebnisse in Sekunden bis Minuten, Fehlerbreite größer (je nach Kalibrierung). Vorteil: keine Probenvorbereitung, keine Chemikalien.
  • Test‑Kits/TLC: günstig (<€50), aber nur grobe Schätzwerte. Nützlich für private Einschätzung, nicht für rechtliche oder wissenschaftliche Zwecke.

Praktische Schritt‑für‑Schritt Anleitung: Probenentnahme und Vorbereitung

  1. Probennahme: Nimm mehrere kleine Teilproben aus verschiedenen Bereichen der Charge (ober- und untere Blüten, unterschiedliche Pflanzen), um Heterogenität zu reduzieren.
  2. Homogenisieren: Trockne die Proben gleichmäßig und mahle sie fein (z. B. Kräutermühle). Analysen immer auf trockener Substanzbasis durchführen oder Feuchtigkeit angeben.
  3. Wiegen: Verwende eine präzise Waage; notiere Masse der Probe.
  4. Extraktion (Labor/DIY): Labore verwenden definierte Extraktionsprotokolle. Für grobe Heimtests wird oft Ethanol oder Methanol als Lösungsmittel genutzt – aber das ist nur eine Schätzung und kann unsicher sein.
  5. Versand an Labor: Verpacke trocken, kühl und lichtgeschützt. Viele Labore bieten Analysekits mit Versandhinweisen an.

Beispielrechnung

Angenommen ein Labor berichtet: THC = 8,2 % und THCA = 12,5 % (auf trockener Basis).

Total THC (%) = 8,2 + 0,877 × 12,5 = 8,2 + 10,96 = 19,16 %

Das ist der potenzielle maximale Wirkstoffgehalt nach vollständiger Decarboxylierung.

Häufige Fehlerquellen und Tipps

  • Feuchte Proben führen zu unterschätzten Prozentangaben (immer auf Trockenmasse umrechnen).
  • Ungleichmäßige Probenverteilung → Mehrere Proben entnehmen.
  • Falsche Interpretation: "Labor‑THC" kann als Total THC (inkl. THCA‑Umrechnung) oder nur als bereits decarboxyliertes THC ausgewiesen werden — Legende lesen.
  • Selbsttests können chemische Risiken bergen (Lösungsmittel). Beachte Sicherheitsdaten.
  • Für rechtliche oder medizinische Fragestellungen nur zertifizierte Labore verwenden.

Rechtliche und ethische Hinweise

Die Handhabung, Analyse und der Besitz von cannabisbasierten Proben sind in vielen Ländern geregelt. Informiere dich über lokale Gesetze, bevor du Proben analysierst oder versendest. Labore können eine Identitätsprüfung oder Nachweise zur Rechtslage verlangen.

Welche Methode soll ich wählen?

  • Für maximale Genauigkeit und rechtssichere Ergebnisse: zertifiziertes Labor (HPLC/LC‑MS).
  • Für schnelle Chargenprüfung in Produktion/Anbau: NIRS oder kalibrierte Handhelds.
  • Für private, grobe Einschätzung: zertifizierte Test‑Kits oder TLC; bei Unsicherheit Probe ins Labor senden.

Weiterführende Links & Quellen

Fazit: Wer den THC‑Gehalt wirklich genau wissen muss, sollte auf Laboranalysen (HPLC/LC‑MS) setzen. Für schnelle Entscheidungen vor Ort können NIR‑Geräte oder Heim‑Kits nützlich sein – sie ersetzen aber nicht die Präzision einer Laborbestimmung. Wenn du magst, kann ich dir helfen, eine Checkliste für den Laborversand oder eine einfache Anleitung für ein gängiges Test‑Kit zu erstellen.

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