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Tektit entdecken: Entstehung, Arten, Erkennen und Verwendung

Lukas Fuchs vor 5 Tagen Mineralogie und Kristallographie 3 Min. Lesezeit

Tektite faszinieren Sammler, Wissenschaftler und Esoteriker gleichermaßen. Dieser Artikel erklärt, was Tektite sind, wie sie entstehen, welche Typen es gibt, wie man echte Stücke erkennt und worauf man beim Kauf achten sollte.

Tektite sind natürliche Gläser, die durch gewaltige Meteoriteneinschläge auf der Erde entstehen. Sie unterscheiden sich von gewöhnlichem Vulkanobsidian dadurch, dass ihre Entstehung mit Impaktprozessen verbunden ist: Beim Aufprall werden Gestein und Boden geschmolzen, in die Atmosphäre geschleudert und als flüssige Tropfen zurück zur Erdoberfläche geworfen, wo sie aushärten. Das Ergebnis sind oft ungewöhnlich geformte, glasartige Stücke mit charakteristischen Oberflächenmerkmalen.

Wie entstehen Tektite?

Beim Einschlag eines größeren Meteoriten wird kinetische Energie in Wärme umgewandelt. Dadurch schmilzt und verdampft Material am Einschlagort. Ein Teil dieses Materials wird mit hoher Geschwindigkeit ausgeworfen, kühlt während des Fluges ab und erstarrt in der Luft. Die schnelle Abkühlung und das mischende Ausgangsmaterial (Sedimente, Krusten- und Mantelgestein) erzeugen ein glasiges Produkt mit niedrigem Wassergehalt und oft glasartiger, blasenarmer Struktur.

Haupttypen und Fundgebiete

Tektite treten weltweit in mehreren sogenannten Streufeldern auf — Bereichen, in denen sich durch denselben Impakt entstandene Glasobjekte finden lassen. Zu den bekanntesten Typen zählen:

  • Moldavit (Mitteleuropa): Grünes, transluzentes Glas, das vor allem in Böhmen und Südmähren gefunden wird. Moldavite sind unter Sammlern sehr begehrt.
  • Australites (Australien): Häufig flach-diskusförmig mit charakteristischen „Flughörnchen“; gehören zur großen Australasischen Streuung.
  • Indochinite (Südostasien): Dunklere, oft schwarze oder braune Stücke, gefunden in Indochina.
  • Ivorites / Libysche Gläser: Beispiele sind die Gläser aus Afrika (z. B. Libysches Wüstenglas) und Fundstücke aus der Nähe von Kratern wie Bosumtwi (Elfenbeinküste).

Die Altersbestimmungen der einzelnen Streufelder variieren: Einige Tektite sind Millionen Jahre alt (z. B. Moldavite), andere stammen aus jüngeren Impakten (z. B. Australasische Tektite, die Hunderttausende bis eine Million Jahre alt sind).

Erscheinungsbild und typische Merkmale

Tektite können sehr unterschiedlich aussehen, besitzen aber häufig einige gemeinsame Merkmale:

  • Glasige, glänzende bis mattierte Oberfläche
  • Typische Formgebung durch „Luftflug“ (sog. Splash-Formen, Tropfen, Flakes)
  • Oberflächenstrukturen wie Rillen, Einkerbungen oder „Einschuss-Schmelzkrusten“
  • Geringer Wassergehalt im Glas (dadurch andere Textur als normale vulkanische Gläser)

Wissenschaftliche Bedeutung

Tektite sind wichtige Indikatoren für die Erforschung großer Impakt-Ereignisse und deren Einfluss auf Klima, Biosphäre und Geologie. Durch chemische Analysen, Altersbestimmungen und die Zuordnung zu Einschlagskratern können Geowissenschaftler Rückschlüsse auf das Alter, den Entstehungsprozess und die regionale Verbreitung von Einschlagmaterial ziehen.

Unterscheidung: Echte Tektite vs. Fälschungen

Auf dem Markt gibt es viele Nachahmungen (z. B. geschmolzene Glasstücke oder industrielles Glas). Hinweise zur Echtheitsprüfung:

  • Oberflächenstruktur prüfen: Natürliche Tektite zeigen oft unregelmäßige Erosionsspuren, Rillen und eine spezifische Sculptierung, die bei künstlichem Glas schwer zu kopieren ist.
  • Dichte und Gewicht: Vergleich mit bekannten Referenzstücken kann helfen, grobe Fälschungen zu erkennen.
  • Blasen und Einschlüsse: Zwar können echte Tektite Blasen haben, aber deren Form und Verteilung unterscheidet sich häufig von industriellen Blasen.
  • Labortests: Dünnschliff-Untersuchungen, chemische Analysen (z. B. Spektroskopie) und Isotopenmessungen sind die sichersten Methoden, um Echtheit zu bestätigen.
  • Provenienz und Zertifikat: Seriöse Händler liefern Funddaten und ggf. Prüfberichte mit.

Verwendung und Wert

Tektite werden gesammelt, wissenschaftlich untersucht und in der Esoterik/Heilstein-Szene genutzt. Der Sammlerwert richtet sich nach Seltenheit, Größe, Zustand und Typ (Moldavite sind z. B. tendenziell teurer). Preise können stark variieren — von einigen Euro für kleine, gewöhnliche Stücke bis zu mehreren hundert Euro (oder mehr) für seltene, große oder besonders schöne Exemplare.

Kauf- und Pflegetipps

  1. Kaufe bei seriösen Händlern und frage nach Herkunft und Zertifikaten.
  2. Vergleiche mehrere Angebote und prüfe aktuelle Marktpreise.
  3. Pflege: Tektite sind Glas — vermeide starke Stöße und chemische Reiniger. Leichten Schmutz mit warmem Wasser und weicher Bürste entfernen.
  4. Aufbewahrung: Dunkel, trocken und stoßgeschützt lagern, um Kratzer zu vermeiden.

Weiterlesen und Quellen

Für vertiefende Informationen empfiehlt sich die Fachliteratur zur Impaktgeologie sowie Übersichtsartikel in wissenschaftlichen Datenbanken. Eine erste Orientierung bieten enzyklopädische Einträge (z. B. Wikipedia: Tektit) und Publikationen von Museen und geologischen Instituten.

Wenn Sie ein bestimmtes Exemplar prüfen lassen möchten oder an regionalen Fundstellen interessiert sind, können Sie sich an Universitätsinstitute für Geologie oder an seriöse Mineraliensammlervereine wenden. Bei weiteren Fragen helfe ich gern beim Einschätzen eines Fotos oder beim Formulieren einer Anfrage an einen Fachlabor.

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