Warum Sie Halos um Lichtquellen sehen – Ursachen, Diagnose und was Sie tun können
Lichthöfe oder „Halos um Lichtquellen“ sind ein häufiges Seherlebnis – besonders nachts oder nach Augen-Operationen. In diesem Artikel erfahren Sie, welche Ursachen hinter den Halos stecken, wann sie harmlos sind und wann Sie ärztliche Hilfe brauchen.
Was sind "Halos um Lichtquellen"?
Als Halos bezeichnet man runde Lichthöfe oder Strahlen, die Menschen um punktförmige Lichtquellen (z. B. Straßenlaternen, Scheinwerfer) wahrnehmen. Medizinisch handelt es sich um Streuung, Beugung oder Reflexionen des einfallenden Lichts innerhalb des Auges. Halos können in Größe, Farbe und Intensität variieren und sind besonders bei Dämmerung oder Dunkelheit störend.
Häufige Ursachen
Die Entstehung von Halos um Lichtquellen lässt sich grob nach anatomischen Orten und Auslösern unterscheiden:
- Hornhautveränderungen: Unregelmäßigkeiten der Hornhautoberfläche (z. B. Keratokonus, Narben, unregelmäßiger Astigmatismus) streuen Licht und erzeugen Halos.
- Hornhautödem: Bei Schwellungen der Hornhaut (z. B. nach OP, Kontaktlinsenübergebrauch) kommt es zu stärkerer Lichtstreuung.
- Katarakt (Grauer Star): Trübungen der Augenlinse führen zu Streuung heller Lichtquellen und damit zu Halos, Blendung und vermindertem Kontrastsehen.
- Nach Augenoperationen: Viele Patienten sehen vorübergehend Halos nach LASIK, PRK oder Linsentausch (multifokale IOL). Die meisten Halos verbessern sich in Wochen bis Monaten.
- Multifokale Intraokularlinsen (IOL): Linsen mit mehreren Brennpunkten teilen das Licht und können insbesondere nachts Halos erzeugen.
- Trockene Augen: Unregelmäßiger Tränenfilm führt zu vorübergehender optischer Unschärfe und Halos, besonders beim Blick auf Lichtquellen.
- Akuter Winkelblock (Glaukom): In seltenen Fällen kündigt plötzlich auftretende Halo-Wahrnehmung ein akutes Winkelblock-Glaukom an – begleitet von Schmerzen, Rötung und Sehverlust.
- Retinale Erkrankungen: Selten entstehen Halos durch Netzhautprobleme; meist dominieren vordere Augenabschnitte.
Wie entstehen die Halos? (Kurzphysik)
Optisch entstehen Halos durch Streuung (Diffusion) und Beugung des Lichts an unregelmäßigen Oberflächen oder Opazitäten. Trübe Linsen, unruhige oder geschwollene Hornhaut und Mehrfachfokussierung (multifokale IOL) verändern die Lichtführung und erzeugen konzentrische Ringe oder strahlenartige Effekte.
Wann sind Halos harmlos — und wann alarmierend?
- Harmlos/erwartbar: Kurz nach Laserbehandlungen oder Linsentausch, bei vorübergehendem trockenem Auge oder leichter Hornhautunregelmäßigkeit. Viele Fälle klingen innerhalb von Wochen bis Monaten ab.
- Alarmzeichen: Plötzlich auftretende Halos zusammen mit starken Augenschmerzen, Rötung, Kopfschmerzen, Übelkeit oder raschem Sehverlust — dies kann auf ein akutes Winkelblock-Glaukom hindeuten und erfordert sofortige ärztliche Hilfe.
Diagnostik — was der Augenarzt prüft
Beim Verdacht auf pathologische Ursachen führt der Augenarzt folgende Untersuchungen durch:
- Anamnese: Auftreten, Verlauf, Operations- oder Kontaktlinsenvorgeschichte.
- Visusprüfung und Refraktionsbestimmung (Brillenbestimmung).
- Spaltlampenuntersuchung der Hornhaut, Linse und Bindehaut.
- Tonometrie (Augeninnendruckmessung) zur Glaukom-Abklärung.
- Topographie/Keratometrie zur Beurteilung der Hornhautform (z. B. Keratokonus).
- OCT (Optische Kohärenztomographie) bei Verdacht auf Netzhaut- oder Sehnervenbeteiligung.
- Bei IOL-Patienten: Prüfung auf Nachstar (hintere Kapselopazität), der häufig durch Laserbehandlung (YAG-Kapsulotomie) behoben werden kann.
Behandlungsmöglichkeiten
Die Therapie richtet sich nach der Ursache:
- Trockene Augen: Tränenersatzmittel, Lidpflege, ggf. Lipidsalben oder entzündungshemmende Tropfen.
- Katarakt: Bei ausgeprägter Beeinträchtigung hilft meist eine Operation (Linsentausch). Moderne IOL-Typen können das Halo-Risiko minimieren, manche multifokalen Linsen erzeugen jedoch weiterhin Halos.
- Nachstar: YAG-Laser-Kapsulotomie beseitigt oft Halos durch hintere Linsenkapseltrübung.
- Hornhautunregelmäßigkeiten: Bei Keratokonus: Cross-Linking, ggf. formstabile Kontaktlinsen oder Hornhauttransplantation. Bei postoperativen Unregelmäßigkeiten können Wellenfront-optimierte Nachbehandlungen oder spezielle Kontaktlinsen helfen.
- Kontaktlinsenprobleme: Anpassung, Pause oder Wechsel auf besser verträgliche Linsen kann Halos reduzieren.
- Glaukom: Akute Fälle erfordern Notfallbehandlung; chronisches Glaukom wird medikamentös oder operativ behandelt.
Praktische Tipps im Alltag
- Brillen mit entspiegelten, antireflektiven Gläsern und ggf. gelben Filtergläsern für Nachtfahrten können Blendung reduzieren.
- Gute Beleuchtung und saubere Brillen/Kontaktlinsen verringern Streulicht.
- Bei trockenem Auge: häufiger Lidschluss, Luftbefeuchtung, künstliche Tränen.
- Nach Operationen Geduld: Viele Halos klingen mit der Heilung ab. Sprechen Sie mit Ihrem Operateur über mögliche Nachbehandlungen.
- Vermeiden Sie Autofahren bei starken Halos oder Blendung, bis Sie sich wieder sicher fühlen.
Wann sollten Sie zum Augenarzt?
Suchen Sie kurzfristig einen Augenarzt auf, wenn Halos neu auftreten und begleitet sind von:
- starken Augenschmerzen
- schnellem Visusverlust oder plötzlicher Sehverschlechterung
- starker Rötung oder Übelkeit/Erbrechen
Bei hartnäckigen oder lebensqualitätsmindernden Halos ohne Notfallzeichen empfiehlt sich eine ausführliche augenärztliche Abklärung und gegebenenfalls eine Zweitmeinung vor operativen Eingriffen.
Weiterführende Informationen
Gute Quellen zu Ursachen und Therapien sind die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (https://dog.org/) sowie Fachseiten zu Katarakt und refraktiver Chirurgie. Bei speziellen Fragen zu Nachstar, multifokalen IOL oder Keratokonus berät Ihr behandelnder Augenarzt individuell.
Fazit: Halos um Lichtquellen sind ein häufiges Symptom mit vielen möglichen Ursachen — von harmlosen, vorübergehenden Effekten bis hin zu ernsthaften Erkrankungen wie akutem Glaukom oder fortgeschrittener Katarakt. Eine genaue Diagnose durch den Augenarzt ist entscheidend, um die passende Behandlung zu finden und Ihre Sehqualität zu verbessern.