Camponotus herculeanus — Die Schwarze Rossameise: Merkmale, Lebensraum, Haltung und Risiken
Camponotus herculeanus, bekannt als Schwarze Rossameise oder Große Rossameise, gehört zu den größten einheimischen Ameisenarten. Dieser Artikel erklärt Merkmale, Verhalten, Verbreitung, wie man sie hält und wann sie als Schädling gilt.
Camponotus herculeanus ist eine eindrucksvolle Art aus der Gattung der Rossameisen: groß, robust und an boreale sowie montane Wälder angepasst. In Mitteleuropa zählt sie zu den größten Ameisen und fällt durch ihre geringe Aktivität, robuste Körperform und die Vorliebe für holzige Nester auf. Nachfolgend finden Sie eine kompakte, praxisnahe Übersicht zur Bestimmung, Ökologie, Haltung und möglichen Schäden durch Camponotus herculeanus.
Kurzprofil — Fakten auf einen Blick
- Deutscher Name: Schwarze Rossameise / Große Rossameise
- Wissenschaftlicher Name: Camponotus herculeanus
- Größe: Königin 14–17 mm, Arbeiter 3–14 mm (Kastenabhängig)
- Farbe: meist schwarz bis dunkelbraun, oft mit rötlichbraunen Anteilen
- Lebensraum: Nadel- und Mischwälder, alte Bäume, morsches Holz, auch in Häusern
- Verhalten: vergleichsweise inaktiv, wehrhaft bei Neststörung
Merkmale und Erkennung
Camponotus herculeanus ist leicht an Größe und Körperbau zu erkennen: kräftiger Thorax, deutlich gezeichnete Segmentierung und große Kiefer. Die Arbeiterinnen variieren stark in der Größe (Polymorphismus), was bei Rossameisen häufig ist. Im Vergleich zu Camponotus ligniperda wirkt C. herculeanus meist dunkler und weniger rötlich.
Wichtige Unterscheidungsmerkmale
- Größere Königinnen (14–17 mm)
- Dunklere Gesamterscheinung als viele andere Camponotus-Arten
- Neststandorte oft in hohlem oder morschem Nadelholz
Verbreitung und Lebensraum
Die Art ist boreal verbreitet und häufig in Nadelwäldern, Bergregionen und lichten Mischwäldern zu finden. In Mitteleuropa kommt Camponotus herculeanus weit verbreitet vor, besonders in kühleren, feuchten Regionen. Sie bevorzugt alte Bäume, Baumstümpfe, morsches Holz und gelegentlich auch Dachstühle oder Holzgebäude, wenn geeignete Nistplätze vorhanden sind.
Nestbau, Kolonie und Lebensweise
Rossameisen bauen keine großen Erdmieten, sondern nutzen Hohlräume in Holz oder zwischen Wurzeln. Kolonien wachsen langsam und können mehrere Jahre bestehen. In natürlichen Nestern findet man oft Kammern in morschem Holz, mit Ausgängen und Versorgungswegen zu Außenfutterquellen.
Ernährung und Verhalten
- Ernährung: Zuckerhaltige Nahrungsquellen (Honigtau, Pflanzensäfte), Insekten als Eiweißquelle.
- Aktivität: Tendenziell weniger aktiv am Tag, späte Sommermonate sind meist die aktivsten Phasen.
- Wehrhaftigkeit: Greifen selten an, können aber bei Neststörung zubeißen.
Fortpflanzung und Flugzeiten
Die Geschlechtstiere (Männchen und Jungköniginnen) schlüpfen in der Regel im Sommer; Flugzeiten hängen vom Klima ab. Gründende Jungköniginnen suchen geeignete Nistplätze in Holzspalten oder Baumhöhlen. Die Kolonien entwickeln sich langsam — eine neue Kolonie zu etablieren kann mehrere Jahre dauern.
Schäden und Schädlingspotenzial
Camponotus herculeanus wird gelegentlich als Holzschädling genannt, besonders wenn sie in Dachstühlen, Holzleisten oder Gebäudeteilen nistet. Wichtig ist zu unterscheiden: Die Ameisen fressen kein gesundes, hartes Holz wie Holzbock; sie nutzen vorhandene Hohlräume, morsche Stellen und Feuchtigkeitsschäden. Schäden entstehen meistens indirekt durch Beschädigung bereits vorgeschädigter Holzteile oder durch vermehrte Feuchtigkeitsprobleme.
Wie erkennt man einen Befall?
- Sichtbare Ameisen in Wänden, Dachbalken oder bei Holzfenstern
- Gehörte Kratz- oder Laufgeräusche (selten)
- Hohlklingende Stellen im Holz, Späne oder Auswurf
Haltung im Formicarium (für Hobbyisten)
Camponotus herculeanus ist wegen ihrer Größe und relativen Robustheit bei Ameisenhaltern beliebt, erfordert aber Geduld wegen langsamer Koloniewachstumsraten.
Pflegehinweise
- Temperatur: 18–24 °C; leichte jahreszeitliche Schwankungen sind vorteilhaft.
- Feuchtigkeit: Moderat bis höher in Nestbereichen (vor allem bei Holznestern).
- Nistmaterial: Kork, Holzblöcke oder kunststoffbasierte Nester mit Mulm simulieren natürliche Bedingungen.
- Futter: Zuckerwasser/Honig, Obst, lebende oder tote Insekten als Proteinquelle.
- Koloniegröße: Geduld: Erwarte langsames Wachstum; Majors können deutlich später auftreten.
Tipps zur erfolgreichen Haltung
- Simuliere Holz- und Rindenstrukturen im Formicarium.
- Vermeide zu warme, trockene Bedingungen — das reduziert Aktivität und Paarungsbereitschaft.
- Achte auf ausreichend Verstecke und dunkle Nester, da die Art lichtscheu ist.
Bestimmung gegenüber ähnlichen Arten
Häufig werden C. herculeanus und C. ligniperda verwechselt. Merkmale zur Unterscheidung:
- C. ligniperda: oft rötlicheres Abdomen und Thorax, stärkeres Holznagen-Verhalten.
- C. herculeanus: insgesamt dunkler, in kühleren Regionen häufiger.
FAQ — Kurzantworten
Ist Camponotus herculeanus gefährlich für Häuser? Sie können Schäden an bereits geschädigtem oder feuchtem Holz verursachen, fressen aber kein gesundes, trockenes Bauholz. Bei Verdacht lohnt sich eine Begutachtung.
Können sie zubeißen? Ja, Arbeiter können bei Neststörung beißen, aber sie sind nicht aggressiv gegenüber Menschen.
Weiterführende Links und Quellen
Für vertiefende Informationen:
Camponotus herculeanus ist eine faszinierende, ökologisch wichtige Art — sowohl für Naturfreunde als auch für Ameisenhalter. Kenntnis von Lebensraum und Verhalten hilft, natürliche Vorkommen zu schützen und problematische Hausbefälle rechtzeitig zu erkennen.