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Thermografie in der Medizin: Wie Infrarotbilder Symptome sichtbar machen

Lukas Fuchs vor 1 Monat 3 Min. Lesezeit

Die medizinische Thermografie (Thermographie) nutzt Wärmebilder, um Durchblutungsstörungen, Entzündungen und Stoffwechselveränderungen nicht-invasiv darzustellen. Dieser Beitrag erklärt Anwendungen, Ablauf, Vor- und Nachteile sowie wissenschaftliche Evidenz.

Die medizinische Thermografie, oft auch Thermographie oder Infrarot-Thermografie genannt, ist ein bildgebendes Verfahren zur Messung der Körperoberflächentemperatur. Moderne Wärmebildkameras erfassen die von der Haut abgestrahlte Infrarotenergie und erzeugen daraus farbcodierte Bilder, die lokale Temperaturunterschiede sichtbar machen. Solche Unterschiede können Hinweise auf Entzündungen, Durchblutungsstörungen, Nervenschäden oder Stoffwechselveränderungen liefern.

Wie funktioniert die Thermografie?

Eine Wärmebildkamera misst die Wärmestrahlung der Haut und berechnet daraus Temperaturwerte. Die Untersuchung ist berührungslos, schmerzfrei und strahlungsfrei — im Gegensatz zu Röntgen oder CT gibt es keine ionisierende Strahlung. Typischer Untersuchungsablauf:

  • Patienten ruhen ca. 10–20 Minuten in einem klimatisierten Raum, um Oberflächentemperaturen zu stabilisieren.
  • Die Kamera wird in mehreren Projektionen aufgenommen (z. B. frontal, lateral).
  • Software erstellt Temperaturprofile und farbkodierte Bilder.
  • Ein geschulter Diagnostiker wertet die Symmetrie, Temperaturgradienten und spezifische Muster aus.

Wofür wird Thermografie in der Medizin eingesetzt?

Thermografie hat breite Anwendungsmöglichkeiten, vor allem als Ergänzung zu anderen diagnostischen Verfahren:

  • Brustdiagnostik: Früherkennung von Durchblutungs- und Stoffwechselveränderungen der Brust. Sie ersetzt jedoch nicht die Mammographie; Studien zeigen gemischte Ergebnisse. Sie kann ergänzend bei dichtem Brustgewebe oder zur Verlaufskontrolle eingesetzt werden. (Siehe auch: DocMedicus: Thermographie.)
  • Entzündliche Prozesse: Arthritis, Sehnenentzündungen, Wundinfektionen — erhöhte lokale Temperaturen sind oft sichtbar.
  • Durchblutungsstörungen: Raynaud-Syndrom, periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) oder Mikroangiopathien zeigen charakteristische Muster.
  • Neuropathien und Schmerzen: Komplexes Regionalschmerzsyndrom (CRPS) und neuropathische Schmerzsyndrome können asymmetrische Thermographiebilder aufweisen.
  • Sportmedizin: Früherkennung von Überlastungen, Muskelschäden oder lokalen Entzündungen zur Trainingssteuerung und Prävention.
  • Tiermedizin: Auch in der Veterinärmedizin findet Thermografie Anwendung, z. B. zur Huf- oder Gelenkdifferenzialdiagnostik.

Vorteile der Thermografie

  • Nicht-invasiv, schmerzfrei und ohne Strahlenbelastung.
  • Schnell: Aufnahmen in Sekunden, Untersuchung in Minuten.
  • Gute Eignung zur Verlaufskontrolle (z. B. Heilungsprozesse, Therapieeffekte).
  • Erlaubt quantitative und qualitative Auswertung mit geeigneter Software.

Grenzen und Genauigkeit

Thermografie misst nur Oberflächentemperaturen — sie liefert keine direkten Informationen über tiefliegende Strukturen. Wichtige Einschränkungen:

  • Empfindlich gegenüber Umgebungsbedingungen (Raumtemperatur, Luftzug, Kleidung, Hautfeuchte).
  • Interpretation erfordert standardisierte Bedingungen und erfahrene Anwender; falsch positive und falsch negative Befunde sind möglich.
  • Bei Tumordiagnostik (z. B. Brustkrebs) ist die Sensitivität und Spezifität nicht ausreichend, um Mammographie oder Sonographie zu ersetzen. Sie kann höchstens ergänzend verwendet werden. Aktuelle Übersichten und Stellungnahmen (u. a. Fachgesellschaften) betonen diese Einschränkung (Ärzteblatt).

Qualitätsanforderungen und Normen

Für medizinische Thermografie gelten Anforderungen an:

  • Kalibrierte Wärmebildkameras mit ausreichender thermischer Auflösung (NETD) und radiometrischen Fähigkeiten.
  • Standardisierte Raum- und Patientenbedingungen (z. B. akklimatisierte Patienten, definierte Bildprojektionen).
  • Dokumentation und zertifizierte Ausbildung der Anwender.

Hersteller und Fachgesellschaften (z. B. Herstellerseiten wie Infratec) bieten Informationen zu geeigneter Hardware und Einsatzfeldern.

Für wen eignet sich Thermografie?

Thermografie kann sinnvoll sein für:

  • Patienten mit entzündlichen oder vaskulären Beschwerden, wenn ergänzende Informationen zu Entzündungsaktivität hilfreich sind.
  • Sportler und Reha-Patienten zur Erkennung von Überlastungsreaktionen.
  • Verlaufskontrollen bei bekannten Erkrankungen, wo Temperaturveränderungen relevante klinische Hinweise liefern.

Sie ist weniger geeignet als alleiniges Screening-Tool für Tumorerkrankungen.

Praktische Tipps vor dem Termin

  • 24 Stunden vor der Untersuchung starke körperliche Belastung, Sauna oder Sonnenbaden vermeiden.
  • Keine Lotionen, Cremes oder Kältesalben auf der zu untersuchenden Region auftragen.
  • Locker sitzende Kleidung tragen, damit die Haut schnell zugänglich ist.
  • Bei Brustthermografie: keine Operationen, Verbände oder frische Verletzungen angeben.

Kosten und Erstattung

Thermografie-Leistungen sind in der Regel privat zu zahlen; die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen sie meist nicht als Routinediagnostik. Preise variieren je nach Umfang, Region und Gerätetechnik.

Fazit

Thermografie ist ein wertvolles, ergänzendes Diagnostikverfahren: schnell, sicher und nicht-invasiv. Ihre Stärke liegt in der Darstellung von Oberflächentemperaturen bei Entzündungen, Durchblutungsstörungen und muskuloskelettalen Problemen sowie in der Verlaufskontrolle. Für das Screening auf Tumore — insbesondere Brustkrebs — ist sie jedoch nicht ausreichend und darf die etablierten Verfahren nicht ersetzen. Bei Interesse an einer Untersuchung sollten Patienten auf zertifizierte Einrichtungen und erfahrene Anwender achten.

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